Ludwig Mies van der Rohe emigrierte 1938 in die Vereinigten Staaten von Amerika und übernahm im selben Jahr die Leitung des Department of Architecture des Armour Institute in Chicago. Dieses fusionierte bald darauf mit dem Lewis Institute zum Illinois Institute of Technology (IIT). 1940 wurde er mit der Gesamtplanung des neuen Hochschulcampus des IIT beauftragt und realisierte selbst anschließend eine Reihe von Institutsgebäuden auf dem Campusgelände. Die Crown Hall ist eines davon und wurde zwischen 1954 und 1956 als neues Hauptgebäude des Department of Architecture errichtet. Mit den Architekten waren auch die Städteplaner und Designer hier untergebracht.

 

Wegen ihrer klassischen Erscheinung wurde sie von Kritikern oft mit klassischen oder klassizistischen Gebäuden in Beziehung gesetzt. Mies van der Rohe selber resümierte: "Ich glaube, das ist die klarste Konstruktion, die wir je gemacht haben, und sie drückt am besten unsere Philosophie aus." (Spaeth, S. 130)

 

2001 wurde die Crown Hall als National Historic Landmark registriert. Nach einer umfangreichen Renovierung und technischen Generalüberholung ist sie seit 2005 vor allem für temporäre und repräsentative Veranstaltungen wieder in Gebrauch.

 

Im Werk Mies van der Rohes steht die Crown Hall zwischen dem kleinen Farnsworth House (1951) vergleichbarer Bauweise und dem nicht realisierten Wettbewerbsentwurf für das Nationaltheater in Mannheim (1954), das ebenfalls ganz ähnlich konstruiert gewesen, aber wesentlich größer geworden wäre. Sie ist ein frühes Beispiel für den neben den Hochhäusern zweiten wichtigen Bautyp seiner amerikanischen Zeit, den stützenlosen nutzungsvariablen Hallenraum, auch "Universalraum" genannt. Sein letztes Bauwerk dieses Typs, allerdings mit richtungsneutraler Deckenkonstruktion, ist die Neue Nationalgalerie (1967) in Berlin.

 

 

 

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