Vor 1949: Pädagogische Akademie und Parlamentarischer Rat [Bearbeiten]

Bundeshaus am Tag der Unterzeichnung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949

Bundeshaus -- die ehemalige "Pädagogische Akademie" heute

 

Der Kern des Gebäudes wurde 1930 bis 1933 im Bauhausstil vom Regierungsbaumeister Martin Witte errichtet, der allerdings vor Inbetriebnahme des Gebäudes starb. Damals war das Haus Sitz der Pädagogischen Akademie, einer Hochschule für Lehrerfortbildung. Zu der Zeit umfasste es neben den Verwaltungsgebäuden eine Turnhalle sowie eine Aula. Nachdem 1948 entschieden wurde, den Parlamentarischen Rat in Bonn unterzubringen, wurden geeignete Räumlichkeiten zur Unterbringung des Gremiums gesucht, das die Verfassung ausarbeiten sollte. Die Wahl fiel dabei auf die Gebäude der Akademie, da diese als eine der wenigen in Bonn ausreichend Platz boten, um den Verfassungskonvent aufzunehmen. Von September 1948 bis zur Verabschiedung des Grundgesetzes im Mai 1949 tagte der Verfassungskonvent in der ehemaligen Aula der Pädagogischen Akademie. Der Alliierte Kontrollrat suchte weiter nach einer Unterkunft für die zukünftigen Staatsorgane, auch Bonn bewarb sich und nahm damit an der so genannten "Hauptstadtfrage" teil. Frankfurt, der wesentliche Konkurrent um den Hauptstadtstatus, ließ seit 1949 einen Plenarsaal errichten. Um Frankfurt zuvorzukommen, ließ Bonn durch den Regierungsbaumeister Hans Schwippert innerhalb weniger Monate ebenfalls einen Plenarsaal errichten, der im Anschluss an die zum Foyer umgebaute Turnhalle der Akademie errichtet wurde. Das gesamte Gebäude wurde ab Frühjahr 1949 von Hans Schwippert zum Bundeshaus umgebaut und erhielt damit seinen heutigen Namen. Dabei entstanden die heutigen "Nord-" und "Südflügel" des nunmehr zum Komplex gewordenen Baus. Am 10. Mai 1949 erhielt Bonn in geheimer Abstimmung des Parlamentarischen Rates mit 33 zu 29 Stimmen die Stimmenmehrheit und wurde somit zum "vorläufigen Sitz der Bundesorgane" ernannt.

 

Am 7. September 1949 fand im Plenarsaal die erste Sitzung des Deutschen Bundestages statt, gleichzeitig wurde in der früheren Aula der Sitzungssaal des Bundesrates eingerichtet, dessen Büros und weitere Sitzungssäle im 1949 neugebauten Nordflügel des Bundeshauses untergebracht wurden. Am 3. November 1949 wurde die Hauptstadtfrage durch den 1. Deutschen Bundestag schließlich endgültig zugunsten von Bonn geklärt.

 

1949--1999: Deutscher Bundestag und Bundesrat [Bearbeiten]

 

Nachdem der Standort der Regierungsorgane endgültig geklärt wurde, konnte das Bundeshaus als Sitz der Legislative und insgesamt zwei Verfassungsorganen weiter ausgebaut werden. Da Bonn allerdings nur provisorische Hauptstadt bleiben sollte, wurde bei den Planungsaufträgen immer auf eine große Funktionalität und Wirtschaftlichkeit geachtet. Zu den ersten Erweiterungen zählte der Anbau von Wandelhallen und seitlichen Emporen. Bis 1953 entstand im Norden des Gebäudes -- ebenfalls nach Plänen von Hans Schwippert -- ein Quertrakt mit Restaurant. Im Juli 1953 wurde damit begonnen, das Bundeshaus am südlichen Ende um ein achtgeschossiges Abgeordnetenhaus (heute "Altes Hochhaus") zu erweitern. Ebenfalls 1953 entstand an der Rheinseite für das Bundestagspräsidium ein eigenes Gebäude ("Vizepräsidentenbau") mit Verbindung zum restlichen Bereich des Hauses. 1955 wurde der Plenarsaal der Länderkammer umgebaut. Die Abgeordneten waren für die neuartige kreisrunde Anordnung ihrer Sitze, so wie sie im derzeitigen Plenarsaal verwirklicht ist. Dies befand die Bundesregierung jedoch als zu fortschrittlich; die frühere Form wurde beibehalten, so dass die Abgeordneten von der Regierung abgetrennt und die Regierungsmitglieder auf einem erhöhten Podest saßen.

 

1986 verließ der Bundestag das Bundeshaus vorläufig und wechselte in das benachbarte ehemalige Wasserwerk, um an der Stelle der baufällig gewordenen ehemaligen Turnhalle einen neuen Plenarsaal zu errichten. Die denkmalgeschützte Halle wurde abgerissen und ein Architektenwettbewerb gestartet, bei dem die Stuttgarter Architektengruppe Behnisch & Partner gewann. Eigentlich war geplant, die alte Turnhalle zu sanieren, ein Tagesoberlicht einzubauen, die Sitzanordnung zu ändern und der Halle generell durch mehr Fenster mehr Transparenz zu verleihen. Diese Ideen erwiesen sich in der alten Halle als undurchführbar, die einzige Chance war der Abriss und Neubau. Die Ideen der Abgeordneten wurden dann im Behnisch-Bau verwirklicht. 1988 starteten die Bauarbeiten für den neuen 120 Millionen Euro teuren Plenarsaal, am 30. Oktober 1992 fand die erste Sitzung im neuen Parlamentsgebäude statt. Nach der Wiedervereinigung wurde die Sitzordnung des Bundesrates im Plenarsaal auf 16 Bundesländer erweitert. Am 20. Juni 1991 beschloss der Deutsche Bundestag, seinen Sitz nach Berlin zu verlegen. Am 1. Juli 1999 fand mit der Vereidigung des Bundespräsidenten Johannes Rau die letzte Sitzung des Parlamentes in Bonn statt.

 

Seit 1999: IKBB, Bundesrat und Vereinte Nationen [Bearbeiten]

Rheinseite des Plenarsaals mit Vizepräsidentenbau

 

Am 29. Oktober 1999 wurde der Plenarsaal der Bundesstadt Bonn übergeben, um den Betrieb des Internationalen Kongresszentrum Bundeshaus Bonn (IKBB) zu starten. Im November 1999 gab es in dem Gebäude die ersten Kongressveranstaltungen. Am 14. Juli 2000 fand mit der 753. die letzte Plenarsitzung des Bundesrates in Bonn statt, nachdem dieser am 27. September 1996 entschieden hatte, seinen Hauptsitz nach Berlin zu verlegen. Seitdem unterhält der Bundesrat seine Außenstelle in Bonn. In dieser ist die "Zentrale Stelle der Länder in Europaangelegenheiten" untergebracht. Des Weiteren finden hier außerhalb der Sitzungswochen des Bundestages die Tagungen der Ausschüsse -- mit Ausnahme des Gesundheitsausschusses -- statt, die mit den Bundesministerien mit Hauptsitz in Bonn korrespondieren (beispielsweise der Ausschuss für Kulturfragen wegen des BMK und der KMK).

 

Den Kernbereich des Bundeshauses, vormals ebenfalls durch den Deutschen Bundestag genutzt, übernahmen Organisationen der Vereinten Nationen (UN). Künftig wird das Plenum des Bundeshauses über ein neuerrichtetes Foyer und einen Tunnel mit dem Erweiterungsbau des IKBB (World Conference Center Bonn) verbunden werden. Damit wird sich die Größe des Gesamtkomplexes in etwa verdoppeln.

 

Am 9. September 2009 wird der Deutsche Bundestag aus Anlass seiner 60 Jahre zuvor erfolgten, erstmaligen Konstituierung im Plenarsaal des Bundeshauses tagen.[1]

 

 

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