Man betritt die Basilika am Ende des nördlichen Querhauses, die zwei weiteren Portale sind in der Regel nur bei stark besuchten Gottesdiensten geöffnet. Man wird von der Eisenbarth-Chororgel, in der Weihnachtszeit von großen Krippe im südl. Querhaus begrüßt. Schreitet man nun weiter auf die Mitte der Basilika zu, wird ein einzigartiger Anblick geboten: Auf der linken Seite wird die Basilika vom Hochaltar beherrscht, schaut man nach rechts, erblickt man den Gnadenaltar, ein Meisterwerk des Rokoko und Herzstück der Basilika. Dahinter auf der hohen Westempore dominiert die mächtige Rieger-Orgel die Basilika. Die gesamte Basilika ist mit ihren kräftigen Farben und der reich verzierten Ausstattung einmalig.

 

Der Gnadenaltar [Bearbeiten]

 

Der Rokoko-Altar mit den Vierzehn Nothelfern steht frei im Raum über dem Ort der Erscheinungen des Schäfers Hermann Leicht und wird umgeben von einem Kommuniongitter in Herzform. Auf der Seite ist der Blick frei zur Stelle der Erscheinungen. Der mit Stuckmarmor geschmückte Unterteil des Altars wird überwölbt von einem transparenten, aus sprühenden Rocaillen bestehenden Baldachin, der einen Durchblick zum Hochaltar frei lässt. Zwölf Nothelfer sind in drei Etagen zu je vieren angebracht; Barbara und Katharina stehen an den beiden seitlichen Altären. Ursprünglich war der Altar am Ort der Erscheinung und gleichzeitig unter der Vierung des Lang- und Querhauses vorgesehen. Dazu wären aber teuere Planierungsarbeiten erforderlich gewesen, da sich unmittelbar in Richtung Westen ein Abhang befand. Der Abtei Langheim, die die Baukosten tragen musste, war das aber neben der ohnehin sehr teueren Basilika ein zu hoher Geldaufwand. Darauf wurde die gesamte Basilika ein Stück weiter nach Osten versetzt, als ursprünglich geplant, da das Gelände dort überwiegend eben war. Der Standort des Altars befindet sich wegen dieser Verschiebung nicht mehr wie geplant in der Vierung, sondern in der Mitte des Langhauses.

 

Zu den Vierzehn Nothelfern zählen:

3 Bischöfe: Dionysius · Erasmus · Blasius

3 Märtyrerinnen: Barbara · Margareta · Katharina

3 Ritter: Georg · Achatius · Eustachius

1 Arzt: Pantaleon

1 Mönch: Ägidius

1 Diakon: Cyriacus

1 Knabe: Vitus

Christuskindträger: Christophorus

 

Die Orgel [Bearbeiten]

 

Geschichte [Bearbeiten]

 

Es gab anfangs zwei Orgeln in Vierzehnheiligen, eine auf der Empore über der Sakristei, die andere, größere auf der Westempore. Ob die kleine Orgel später in die größere eingearbeitet oder aufgrund der Säkularisation verkauft wurde, ist bis heute unklar. Diese Orgel wurde jedoch bei dem Kirchenbrand am Kunigundentag 1835 völlig zerstört. Im Zug der umfangreichen Erneuerungen nach dem Brand 1848 errichtete Augustin Ferdinand Bittner aus Nürnberg ein neues Orgelwerk, ebenfalls auf der Westempore. Es umfasste 39 Register auf zwei Manualen und Pedal. 1870 wurde der Orgelbauer Ludwig Weineck aus Bayreuth mit einem Umbau beauftragt, der aber kein zufriedenstellendes Resultat erbrachte. Deshalb führte 1905 die Firma Steinmeyer (Öttingen) einen technischen Neubau (Röhrenpneumatik) durch und erweiterte die Orgel auf drei Manuale und 42 Register. Bei einem weiteren Umbau 1951 entfernte Steinmeyer die Röhrenpneumatik und stellte die Orgel auf elektrische Ton- und Registersteuerung um. Das Werk wurde im Sinne des Neobarock aufgehellt und auf 60 Register erweitert. 1962 entschloss man sich, den zweigeschossigen Mittelteil des Orgelprospekts auf ein Geschoss zu erniedrigen, weil er mit dem Oberwerk das dahinterliegende Fenster verdeckte. Der untere Prospektteil wurde entfernt und der Teil mit der Uhr tiefergesetzt. Die ursprüngliche Situation ist auf dem Bild mit dem Gnadenaltar zu erkennen. Durch Staub, den die 1993 abgeschlossene Kirchensanierung verursacht hatte, war der Orgel erheblicher Schaden zugefügt worden. So wurde der Wunsch nach einem Neubau laut. Ursprünglich sollte dieser 90 Register bekommen, dafür reichte aber weder der Platz noch die Finanzen. Rieger Orgelbau stellte eine neue Orgel mit 68 klingenden Registern her. 1998 verabschiedete Basilikaorganist Georg Hagel die alte Bittner-Steinmeyer-Orgel mit einem letzten Konzert. Die alte Orgel steht derzeit im Orgelmuseum Schloss Valley (bei Holzkirchen) - ohne das Bittner-Gehäuse. Dieses musste aus Gründen des Denkmalschutzes in Vierzehnheiligen erhalten bleiben. Vor der Aufstellung der neuen Orgel 1999 wurden unter anderem zwei Stahlträger quer über die Empore gelegt und an den beiden Türmen befestigt, die das über 20 Tonnen schwere Instrument tragen. Die neue Orgel hat über 1.000.000 Euro gekostet. Sie vertritt das Konzept der Universalorgel, die verschiedene Stilelemente bei moderner Technik vereint.

 

Disposition [Bearbeiten]

 

Hauptwerk (I) und Positiv (II) werden durch ein französisches Schwellwerk (III) und ein Chamadewerk (Bombardwerk, IV) ergänzt. Die Disposition wurde von Basilikaorganist Georg Hagel und Orgelbaumeister Christoph Glatter-Götz erarbeitet.

I. Hauptwerk II. Positiv III. Récit expressiv IV. Bombardwerk Pedal

Principal 16' Principal 8' Bourdon 16' Chamade 16' Untersatz 32'

Bordun 16' Gedackt 8' Flûte traversière 8' Chamade 8' Principal 16'

Principal 8' Salicional 8' Cor de nuit 8' Chamade 4' Subbaß 16'

Bordun 8' Unda maris 8' Eolienne 8' Glockenspiel C-c Violon 16'

Gamba 8' Octav 4' Gambe 8' Quinte 10 2/3'

Flûte harmonique 8' Blockflöte 4' Voix céleste 8' Octav 8'

Octav 4' Nasat 2 2/3' Viole 4' Baßflöte 8'

Flöte 4' Superoctav 2' Flûte octaviante 4' Flöte 4'

Quinte 2 2/3' Flöte 2' Nazard harmonique 2 2/3' Octav 4'

Superoctav 2' Terz 1 3/5' Octavin 2' Jubalflöte 2'

Mixtur major 5f 2' Quinte 1 1/3' Tierce harmonique 1 3/5' Mixtur 5f 2 2/3'

Mixtur minor 4f 1 1/3' Sifflet 1' Plein jeu 5f 2 2/3' Kontrabombarde 32'

Cornet 5f 8' Scharff 3-4f 1' Bombarde 16' Bombarde 16'

Trompete 16' Bassethorn 16' Trompette harmonique 8' Fagott 16'

Trompete 8' Cromorne 8' Hautbois 8' Posaune 8'

Trompete 4' Clarinette 8' Clairon harmonique 4' Clairon 4'

Tremulant Voix humaine 8'

 

 

Tremblant

 

 

* Technisches:

o Tonumfänge: Alle Manuale: C-c4; Pedal: C-g1

o Spielhilfen: Kombinationsanlage mit 96×8 Speichermöglichkeiten, Sequenzer vorwärts--rückwärts; 4 Crescendi (einstellbar); Kartenspeicher

o Koppeln:

+ Mechanisch: II--I, III--I, IV--I, III--II, I--P, II--P, III--P, IV--P.

+ Elektrisch: II--I, III--I, IV--I, III--II, I--P, II-P, III--P, IV--P, IV--III, IV--II, III--III 16', III--II 16', III--I 16', I--I 16', III--III 4', III--II 4', III--I 4', III--P.

o Spieltraktur: mechanisch.

o Registertraktur: elektrisch

 

Außerdem befindet sich im südlichen Querhaus der Basilika eine fahrbare Nebenorgel von Eisenbarth, diese hat 13 klingende Register auf zwei Manualen und Pedal.

 

Disposition der Bittner-Steinmeyer-Orgel (1951--1998)

1.Manual 2.Manual 3.Manual Pedal

Principal 16' Bordun 16' Rohrgedackt 16' Principalbass 16'

Principal 8' Principal 8' Äoline 8' Violon 16

Gamba 8' Salicional 8' Holzflöte 8' Subbass 16

Gemshorn 8' Quintade 8' It. Principal 4' Gedecktbass 16'

Gedeckt 8' Principal 4' Koppelflöte 4' Oktavbass 8'

Octav 4' Kleingedeckt 4' Waldflöte 2' Flötbass 8'

Salicet 4' Superoktav 2' Sifflöte 1' Principalbass 4'

Rohrflöte 4' Terz 1 3/5' Quint 2 2/3' Pommer 4'

Oktav 2' Superquint 1 1/3' Terz 1 3/5' Rohrpfeife 2'

Schwiegel 2' Glöcklein 1' Plein jeu 4--5f 2 2/3' Quintbass 10 2/3'

Nazard 2 2/3' Kornett 8' Echomixtur 6--f 2' Terzbass 6 2/5'

Mixtur 4--6f 1 1/3' Zymbel 2f 2' Fagott 16' Mixtur 4f 2 2/3'

Scharff 4--5f 1' Rankett 16' Helle Trompete 8' Posaune 16'

Trompete 16' Krummhorn 8' Clarine 4' Trompete 8'

Trompete 8' Singend Regal 4' Geigenschwebung 8' Englischhorn 4'

Tremulant Tremulant

 

 

Aufbau [Bearbeiten]

 

Direkt in der Mitte über dem Spielschrank befinden sich die Windladen und Pfeifen des Hauptwerks, eingeschlossen von den beiden Pedaltürmen. Hinter dem Hauptwerk steht der große Schwellkasten des Rècit expressiv, das Besondere daran ist, dass Schwellen und Schwellkästen nicht wie üblicherweise aus Massivholz gebaut, sondern mit Quarzsand gefüllt sind, um eine höhere Toneindämmung zu erreichen. Es handelt sich um ein typisch französisches Schwellwerk, reich besetzt mit Lingualregistern. Auf den Schwellkasten wurde als Krönung das gesamte Bombardwerk gebaut: Die horizontalen Chamaden 16', 8' und 4' sind direkt auf den Hochaltar gegenüber ausgerichtet, samt den handgegossenen Messingglocken des Glockenspiels. Hinter den Pedaltürmen befinden sich die Schwellkästen des geteilten Positivs, die kleinste Pfeife der Orgel, das hohe c des Sifflets 1' ist gerade einmal fünf Millimeter lang.

 

Links und rechts des Schwellwerks befinden sich die großen, teils aufgerollten Pfeifen des Untersatzes 32' und der Kontrabombarde 32' (die tiefsten Pfeifen sind über fünf Meter lang und erreichen mit etwa 16 Hertz die untere Hörgrenze). Neben dem Schwellwerk befindet sich auch der geteilte Schwellkasten des ebenfalls schwellbaren Positivs. Der Prospekt der Orgel ist zwar der alte, das Gehäuse samt der kompletten Technik wurde jedoch völlig neu installiert. Das frühere Gebläse saugte feuchte und kalte Luft aus dem Nordturm an, dies trug dazu bei, dass das Material der alten Orgel nicht mehr verwendbar war. Um dies bei der neuen Orgel zu vermeiden, wurde ein Gebläse mit über 12 Kilowatt Leistung unter dem Rècit installiert. Das Gebläse ist stark eingedämmt, sodass man es außer beim Starten gar nicht hört. Der Spieltisch hat insgesamt 89 Registerzüge (68 für die Register, 3 für Tremulante und für das Glockenspiel, und 18 Züge für die elektrischen Koppeln.) Außerdem kann man mit magnetischen Kopplungen einen zweiten Spieltisch anschließen.

 

 

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