Bedingt durch die Reparationen an Frankreich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg und der dadurch wachsenden Knappheit an Kohle als Energielieferant, entschied sich die Stadt nahe der neuen Ruhrschleuse Raffelberg ein Wasserkraftwerk zu errichten. Das Werk sollte am Ruhrschifffahrtskanal errichtet werden, der noch nicht fertig gestellt war. Der Kanal sollte den ebenfalls im Bau befindlichen Mülheimer Hafen mit dem Rhein-Herne-Kanal, den Duisburg-Ruhrorter Häfen und dem Rhein verbinden.

 

1922 begannen die Planungen des Wasserkraftwerks Raffelberg, von 1923 bis 1926 dauerten die Bauarbeiten. Die Gestaltung des Gebäudes übernahm das Architektengespann Arthur Pfeifer und Hans Großmann, wie bei so vielen Gebäuden der Stadt Mülheim. Um die technische Ausstattung kümmerten sich die Siemens-Schuckertwerke aus Berlin.

 

Am 26. Februar 1926 ging das Kraftwerk schließlich ans Netz. Die vier direkt an Drehstromgeneratoren gekoppelten Francisturbinen lieferten eine Spannung von 5.000 Volt. Der Strom wurde in das Speldorfer Ortsnetz und auch, transformiert auf 25 Kilovolt, in das Überlandnetz der RWE eingespeist. Zugleich wurde auch die Friedrich Wilhelms-Hütte versorgt.

 

Anfang der 1960er Jahre rüstete man die Drehstromgeneratoren auf 10.000 Volt um und in den 1970er Jahren wurde das Wasserwerk nach Plänen der Firma Voith mit elektronischen Reglern ausgestattet und somit weitgehend automatisiert. 1986 wurde das kulturhistorische reizvolle Wasserkraftwerk Raffelberg unter Denkmalschutz gestellt, die original erhalten Francisturbinen aus den 1920er Jahren sind eine Attraktion. Im Juli 2001 wurde der 130 Meter lange Fischpass am Wasserwerk eingeweiht.

 

Das Kraftwerk ist heute Themenpunkt der Route der Industriekultur (Themenroute 12 - Geschichte und Gegenwart der Ruhr sowie der Themenroute 18 - Chemie Glas und Energie).

 

 

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